Neue Wege in der Judomethodik

Neue Wege in der Judo Methodik
Ein Beitrag von Ralf Lippmann, Ausbilder des DJB

In den letzten Jahren haben wir versucht im Zusammenhang mit der neuen Ausbildungs- und Prüfungsordnung des DJB neue methodische Wege zu finden, die das Erlernen bestimmter grundlegender Techniken im Judo vereinfachen sollen. Vor diesem Hintergrund haben wir u.a. in Zusammenarbeit mit dem Institut für angewandte Trainingswissenschaften (IAT) in Leipzig erfolgreiche Wettkampftechniken auf höchster internationaler Ebene untersucht und ausgewertet.

Die Frage war: Wann und warum funktionieren Judo – Wurftechniken auf hohem Niveau trotz maximalstem Widerstand des Gegners?

Untersucht wurden diese Techniken unter folgenden Gesichtspunkten:

  • immer wiederkehrende günstige Ausgangssituationen,
  • Fassart und Fassartstrategien und
  • Kontaktpunkte

Das bisherige Ergebnis ist bereits so aussagekräftig, dass wir zu folgendem Schluss kommen:

“Wenn eine Judo Wurftechnik gegen Widerstand auf höchster Wettkampfebene funktioniert, muss sie so einfachen biomechanischen Gesetzmäßigkeiten unterliegen, dass wir diese Gesetzmäßigkeiten auch auf die Methodik des Techniktrainings, - ja sogar der Anfänger – Methodik übertragen können.”

Fast alle systematisch erarbeiteten Wurftechniken sind erfolgreich wenn die Eindrehwege kurz sind, eine Fassartüberlegenheit hergestellt wurde und die Kontaktpunkte eine gute Kraftübertragung ermöglichen.

  • Unter kurzen Eindrehwegen verstehen wir zum Beispiel die Reduzierung von 180° auf 90° bei Eindrehtechniken aus gegengleicher Auslage.
  • Mit Fassartüberlegenheit ist gemeint, das Tori mindestens eine Hand mehr am Gegner platziert hat, als Uke.
  • Unter günstigen Kontaktpunkten verstehen wir z.B.: Aufrechten Seite – Bauch – Kontakt, Bauch – Bauch – Kontakt, Rücken – Bauch – Kontakt etc..

Wir möchten am folgende Praxisbeispiel einen dieser methodischen Wege vorstellen:

Vom Tsuri-goshi in Schrittstellung zum eingesprungenem Koshi-uchi-mata

Als konditionelle und koordinative Vorübung werden in der Standwaage mit aufgedrehtem Oberkörper aus sicherem Stand halbtiefe Kniebeugen durchgeführt. Dadurch verbessert sich die das Gleichgewichtsgefühl und die Kraft im Standbein.
    

Aus gegengleicher Auslage (rechts gegen links) wird mit einem Nachstellschritt und 90° Drehung in Uchi-komi Form Seite – Bauch – Kontakt hergestellt. Dabei senkt sich die Hüfte durch Schrittstellung ab.
         

Als nächstes wird aus der selben Ausgangssituation Tsuri-goshi rechts geworfen. Dabei hat Tori mit der rechten Hand auf Ukes Rücken gegriffen und hat mit dem Zugarm Ukes Ärmelende eng gefasst. Durch starken Zug am Ärmel, schnelles Absenken in Schrittstellung zum Seite – Bauch – Kontakt und kurzem Ausheben wird Uke geworfen.

Im letzten Schritt wird jetzt zum Koshi-uchi-mata nur noch das Schwungbein gehoben und geworfen.
      

Als zusätzliche Variante wird aus gleichseitiger Auslage und Fassart zunächst die günstige Ausgangssituation und 2:1 Fassartüberlegenheit hergestellt, um dann wiederum mit eingesprungenem Koshi-uchi-mata zu werfen.
      

Text: Ralf Lippmann
Fotos: Thomas Muschke

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