Katatraining für Jugendliche 
 - eine lohnende Sache!

Kata-Training als Ergänzung zum Techniktraining bei Jugendlichen
von Ralf Pöhler zum Breitensport-Workshop 1998

Kata-Training – eine “lohnende” Sache?!

Kata ist zu einer Randbemerkung des Judowissens geworden (OTAKI/DRAEGER, 1983,S.35) und spielt in der Judo-Ausbildung vor allem im Bereich der Anfänger und Kyu-Grade kaum eine Rolle. Folgende Thesen müssen m.E. deshalb ernsthaft diskutiert werden:

  1. Kata-Üben wird künstlich durch die Dan-Prüfungsordnung am Leben gehalten.
  2. Kata-Üben ist zum Üben der traditionellen Formen geworden; Kata-Üben ist nicht kreativ.

Zu fern sind die Interessen von Anfängern, zumeist Kindern und Jugendlichen, von dem, was in den Kata “angeboten” wird. Beim bundesoffenen Workshop 1996 wurde trotzdem versucht, das Kata-Üben im Unterricht zu beleben und das, weil man erkannte, daß Kata neben Randori und Shiai auch heute noch eine wertvolle Übungsform oder besser Übungshaltung darstellen kann. Denn:

  • Kata-Üben ist Analyse und Strukturierung des Judo-Wissens.
  • Kata-Üben fördert die mentale Auseinandersetzung mit Techniken und Prinzipien des Judo.

Traditionelle Katas sind nicht breitensport- und jugendgerecht

Trotz der Werte, die Kata-Üben hat und die wir selbst nach vielen Jahren der Auseinandersetzung mit Judo kennengelernt haben, wird man kaum einen Breitensportler oder Kinder und Jugendliche für das Üben der traditionellen Kata begeistern können. Warum?

Traditionelle Katas ...

... und deshalb

Sind sehr umfangreich

Setzen sie ein langfristiges Üben zum Erlernen voraus

Sind technisch sehr anspruchsvoll und setzen den Fortgeschrittenen voraus

Sind sie von vielen Jugendlichen und Breitensportlern einfach nicht ausführbar

Sind in den Rollen von Uke und Tori festgelegt

Wird Kooperation und Partnerschaftlichkeit beim Üben oft als Zwangskooperation empfunden.

Enthalten viele “judofremde” Elemente

Benötigt man Experten, die einem “das alles” erklären. Außerdem stellt sich die Frage, wo bei diesen Inhalten der Bezug zum “normalen” Training ist.

Erfordern hohe Konzentration

Widersprechen sie zunächst dem erwünschten “Spaß” und dem “Abschalten” beim Training.

Kata-Training – auch für Jugendliche!

Und trotzdem: Kata ist eine Methode, die bei Kindern und Jugendlichen und im Anfängertraining allgemein Sinn macht:

  1. Kata-Üben fördert die intensive theoretische Auseinandersetzung mit Judotechniken und Prinzipien.
  2. Kata-Üben belebt und ergänzt Breitensport-Judo in unterschiedlichen Alters- und Könnensstufen.
  3. Kata-Üben unterstützt die technische Vervollkommnung, wenn die Einbettung in die jeweilige Ausbildungsstufe gelingt.
  4. Kata-Training schafft ergänzende Möglichkeiten zu jugend- und breitensportgerechtem Leistungsvergleich.
  5. Das Betätigungsfeld Kata im Jugendtraining und im Breitensport kann zu den traditionellen Katas hinführen.

Aber: Kata-Üben muß sich grundlegend wandeln, wenn man diese Ziele im Vereinstraining mit Jugendlichen und Kindern erreichen möchte. Für diese ergänzende Möglichkeit im Judo-Training Kata zu üben, steht der Begriff “ Freien Kata

  1. Freie Katas für Jugendliche sollten in ein bis zwei Unterrichtseinheiten erlernbar sein.
  2. Freie Katas sollten sich am Technikstand der ausführenden Partner orientieren.
  3. Freie Katas sollten frei genug sein, bei Gruppen mit unterschiedlichem Niveau, unterschiedliche Lösungen zu ermöglichen.
  4. Freie Katas sollten in das aktuelle Ausbildungsprogramm (=Gürtelstufe) eingebunden sein, d.h. die dort vorgeschlagenen Aufgaben aufgreifen.
  5. In Freien Katas sollten beide Partner aktiv sein, d.h. die Rollen von Uke und Tori wechseln.
  6. Die Inhalte der Freien Katas sollten sich am aktuellen Ausbildungsrepertoire orientieren oder dieses ergänzen.
  7. Die Freien Katas sollte eine Idee, ein Thema haben, das durch eine sinnvolle Auswahl und Reihung bestimmter Aktionen verdeutlicht wird. Die Auswahl soll begründbar sein.
  8. Freie Katas können Ausbildungsschritte/-stufen zusammenfassen.

Es wäre wünschenswert, wenn sich ein System von aufeinander aufbauenden Freien Katas in das Prüfungsprogramm integrieren ließe. Kata stellt ein Bindeglied zwischen Praxis und Theorie dar. Deshalb geben die Freien Katas Anlaß, über Grundlagen im Technischen wie im Miteinander oder im Selbsterleben beim Judo-Üben zu sprechen. In einer Abfolge von Katas mit thematisch festgelegten Inhalten sollten die Schüler nach und nach immer mehr Gestaltungsfreiheiten bekommen.

Einige Ideen für eine Abfolge von Freien Katas für Kyu-Grade

Bevor es ans Ausprobieren geht, einige Diskussionspunkte:

  • Könnten die Freien Kata die Stand-/Komplexaufgabe ersetzen?
  • Freie Katas schon ab 8.Kyu oder verbunden mit einer Mindestqualifikation oder einem Mindestalter?
  • Welche ergänzenden, zusammenfassenden oder weiterführenden Themenstellungen wären für die einzelnen Kyu-Stufen denkbar.

Beispiele für Themenstellungen für Freie Katas anhand ergänzender technischer Aufgaben

  1. Verdeutlichung der acht Ausgangssituationen im Stand
  2. Darstellung von Übergängen vom Stand in die Bodenlage aus der Sicht von Uke und Tori
  3. Darstellung von Prinzipien bei Kombinations- und Konteraktionen
  4. Darstellung von Prinzipien des Griffkampfes
  5. Darstellung von Prinzipien des Bodenkampfes
  6. Darstellung von Lösungen in Standardsituationen des Standkampfes
  7. Darstellung der eigenen Spezialtechnik/des eigenen Handlungskomplexes
  8. Wann habe ich den Wettkampf gewonnen?

Beispiele für Themenstellungen anhand ergänzender übergreifender Sinnstränge und Qualitäten des Judo

  1. Verdeutlichung der beiden Judo-Prinzipien
  2. Ich und mein Gleichgewicht
  3. Fliegen, Fallen und Werfen
  4. Partner-Bewegungen beobachten, Partner-Bewegungen nutzen

Zur Beachtung bei der praktischen Erarbeitung

  • Die Freie Kata sollte nicht mehr als 8 bis 10 Elemente beinhalten und in einer bis zwei Unterrichtseinheiten erlernbar sein.
  • Die Freie Kata sollte möglichst die Techniken der jeweiligen Ausbildungsstufe mit beinhalten.
  • Die Rollen von Uke und Tori sollten innerhalb der Freien Kata gewechselt werden.
  • Die Übungsauswahl sollte begründbar sein oder eine logische Abfolge ergeben.
  • Die Übungsauswahl sollte Alternativen berücksichtigen für Judoka auf niedrigerem oder höherem Niveau

Kata-Wettbewerb für Jugendliche

Freie Katas eignen sich auch für breitensportliche Wettkämpfe und könnten eine echte Alternative zum Shiai für Jugendliche sein. Einen konkreten Vorschlag für einen solchen Wettbewerb, wie ich ihn 1999 bereits einer Expertenrunde vorgelegt habe, finden Sie hier zum Downloaden (Kataturnier für Jugendliche).

Hinweise

“Judo-Kata”
 Schriftenreihe Lehrwesen Band 1
Hrsg. Deutscher Judo-Bund e.V., Red. Buchholz/Pöhler

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